Hochbegabte Kinder zeichnen sich dadurch aus, dass sie schneller als Gleichaltrige denken. Sie stellen früh grundsätzliche Lebensfragen (z. B. „Was ist der Tod?“) und zeigen ein ausgeprägtes Verständnis sowie hohe kreative Fähigkeiten. In der Regel gelingt hochbegabten Schülern eine gute Vernetzung zwischen verschiedenen Wissensinhalten. Sie reflektieren ihr Handeln und empfinden Wiederholungen im Unterricht als Qual. Hochbegabte Kinder neigen bei Routine-Aufgaben zu Langeweile.

Offenheit und Aufmerksamkeit wird größer
Doch: Nur zwei Prozent der Deutschen zählen tatsächlich zu jenen Menschen, die einen IQ von über 130 haben und damit hochbegabt sind. Hochbegabte Schüler wurden Jahrzehnte hindurch ignoriert. Bis in die 1980er-Jahre hinein hatte es nämlich in der Gesellschaft deutliche Vorbehalte gegeben. Hochbegabung galt vielen als unheimlich und klang nach Elitezüchtung des Nationalsozialismus. 1985 gab es dann den ersten Weltkongress für Hochbegabung in Deutschland. Einen regelrechten Auftrieb erhielt das Thema schließlich Mitte bzw. Ende der 1990er-Jahre, als die Wissensgesellschaft propagiert wurde. Seither sind sogar bereits Erzieher im Kindergarten auf der Suche nach auffälliger Intelligenz. Experten gehen heute davon aus, dass absolute Zahl von Hochbegabten kleiner wird, weil es allgemein weniger Kinder geben wird. Doch die Zahl jener Kinder, die entdeckt werden, steigt, weil die Offenheit und Aufmerksamkeit größer wird.

Vorsicht vor Intelligenztests im Internet
Hochbegabung wird bei Kindern vor allem durch Intelligenztest festgestellt. Es gibt Tests, die eher sprachlich angelegt sind, und andere, die mehr über Bilder arbeiten. Unumstritten sind diese Tests alle nicht, aber es gibt schon Verfahren, die anerkannter sind als andere. Der vielleicht bekannteste Test ist der „Hamburger Wechsler-Intelligenztest für Kinder“. Er dauert gut zweieinhalb Stunden und ist damit mit so genannten Intelligenztests, die man im Internet in fünf bis zehn Minuten machen kann, nicht zu vergleichen. Experten sehen derartige Tests im Internet eh kritisch und maximal als Appetizer. Um die gesamte Breite der Begabung zu überprüfen, reicht das nicht. Für seriöse Forscher ist es nämlich unter anderem auch von Interesse, wie sich Kinder während des Tests verhalten. Wo stoppen sie? Wo geht es schneller voran? Nicht selten scheitern Hochbegabte bei leichten Aufgaben. Sie können zum Beispiel nicht richtig beantworten, wie viele Beine ein Hund hat, weil sie sich zu viele Gedanken machen und eine komplexe Frage vermuten. Bei vielen hochbegabten Kindern könne zusätzlich zu ihrem Forder- auch ein Förderbedarf festgestellt werden. Hochbegabte haben nämlich oft das Lernen nicht gelernt bzw. nicht gelernt, sich anzustrengen.